Titel
Fotoexkursion

POLEN | Biebrza-Nationalpark - Natur, Tier, Vogel- und Ansitzfotografie

Sonderausgabe 2022

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Sonderausgabe 2022 Coverbild
Einleitung:

Tier- und Vogelfotografie im größten Nationalpark Polens. Der Biebrza-Nationalpark in Nordost-Polen ist eine einzigartige Enklave für Wasser- und Sumpfvögel. Es wurden dort über 270 Vogelarten beobachtet, 181 Arten davon sind Brutvögel. Für einige von ihnen sind die Biebrza-Sümpfe einer der letzten Zufluchtsorte, der die Erhaltung ihres Bestands in Mitteleuropa ermöglicht.

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Details:

Preis:
Preis p/P. im DZ 1.800,– € Einzelzimmer-Zuschlag 100,– €
Reiseziel:
Dobarz, Polen
Teilnehmerzahl:
2 bis maximal 6 Personen
Reisedatum:
03.05. – 10.05.2022
Anreise:
Eigene Anreise bis Flughafen/Bahnhof in Warschau oder direkt nach Dwor Dobarz in den Biebrza-Nationalpark
Leistungen:

  • 7 Übernachtungen im Doppelzimmer mit Bad/Dusche und WC (Einzelzimmer gegen 100 € Aufpreis)
  • Sie wohnen in einer stilvollen Pension mit Hotelcharakter mitten im Nationalpark mehr Informationen zur Pension unter www.dwordobarz.pl
  • reichhaltiges Frühstück
  • fotografisches Programm mit sämtlichen Transfers
  • Transfer vom/zum Bahnhof oder Flughafen in Warschau
  • tägliche Exkursionen zu interessanten Fotoplätzen
  • kostenlose Leihstellung von Kugelköpfen aus dem Sortiment von Novoflex sowie Fluidköpfen von Gitzo, Manfrotto, Sachtler
  • kostenlose Leihstellung von Stativen (Gitzo, Manfrotto, Sachtler, Berlebach)
  • ortskundige und fotografische Betreuung durch Peter Scherbuk
  • uneingeschränkte Nutzung der Ansitze für die Dauer der Exkursion – unterschiedliche Ansitze werden nach Bedarf für Sie eingerichtet und für den Ansitz vorbereitet, inkl. Ansitzstühle
  • Sollte die erforderliche Teilnehmerzahl von 2 Personen nicht erreicht werden, können wir diese Exkursion leider nicht durchführen.
  • Änderungen vorbehalten
Nicht enthalten:

  • An- und Abreise nach/ab Warschau
  • nicht genannte Mahlzeiten und Getränke, Trinkgelder, Persönliches, Reiserücktritts- und Reiseunfall-Versicherung
Fotos:

Beschreibung:

POLEN | Biebrza-Nationalpark

Natur-, Tier-, Vogel- und Ansitzfotografie

Tier- und Vogelfotografie im größten Nationalpark Polens

Der Biebrza-Nationalpark in Nordost-Polen ist eine einzigartige Enklave für  Wasser- und Sumpfvögel. Es wurden dort über 270 Vogelarten beobachtet, 181 Arten davon sind Brutvögel. Für einige von ihnen sind die Biebrza-Sümpfe einer der letzten Zufluchtsorte, der die Erhaltung ihres Bestands in Mitteleuropa ermöglicht.

Der Biebrza-Nationalpark wurde 1993 gegründet, um das größte und besterhaltene, in einem sumpfigen Flusstal gelegene Moorgebiet in der Europäischen Union zu schützen. Mit einer Fläche von fast 60.000 ha ist es der größte Nationalpark Polens. Im Biebrza-Tal sind eine

einzigartige Pflanzen- und Tierartenvielfalt sowie zahlreiche naturbelassene Biotope erhalten geblieben. Im Park leben 48 Säugetierarten. Der Elch ist das größte Tier im Nationalpark und bildet mit den dort lebenden rund 500 Exemplaren die größte polnische Elchpopulation.

BirdLife International klassifiziert das Gebiet des Nationalparks als Lebensraum für Vögel von hohem Welt- rang. Seit 1995 ist der Nationalpark auch als Feuchtgebiet gemäß der internationalen Ramsar-Konvention geschützt. Für manche Vögel wie Seggenrohrsänger, Birkhuhn, Doppelschnepfe und Schelladler ist das Biebrza-Tal der letzte Zufluchtsort in Europa. Das Biebrza-Tal wurde auch dem europäischen Schutzgebietssystem Natura 2000 angeschlossen, das zur Erhaltung der wertvollsten Ökosysteme in der Europäischen Union ins Leben gerufen wurde.

Im Rahmen unserer Fotoexkursionen werden wir eine Vielzahl an Vogelarten beobachten und fotografieren. Wir werden aber auch den Elchen und Wisenten auf der Spur bleiben. Mit einem Abstecher in den Knyszyn-Wald begeben wir uns in das Wolfs- und Luchsrevier, und wer weiß, was wir dort Interessantes erleben werden.

Wenn Sie etwas Besonderes suchen und eine spannende und abwechslungsreiche Woche in einer kleinen Gruppe Gleichgesinnter erleben möchten, so sind Sie bei uns richtig.

RÜCKBLICK

Naturfotografische Erlebnisse im Biebrza-Nationalpark

Von Alexander von Brauchitsch

Jedes Hobby hat aus Sicht anderer einen gewissen „Doof-Faktor“, der auch mit viel verbaler Überzeugungskraft kaum zum Verschwinden gebracht werden kann. Aus meiner Sicht ist es ja auch sehr eigenartig, oft seltsam verkleidet, mit einem langen Schläger einen kleinen weißen Ball in der Hoffnung wegzuschlagen, dass er in ein kleines Loch fällt. Oder in luftiger Höhe aus einem winzigen Flugzeug zu stürzen, nicht ohne dich vorher

unzählige Male zu vergewissern, dass in Deinem Rucksack ein buntes Tuch verpackt ist, welches Dich sicher zur Erde zurückbringen soll.

Du kannst natürlich auch etwas Nützliches machen und dich still vor ein Aquarium setzen und kleinen Fischen beim Schwimmen zusehen.

Mein Hobby ist eben, grün verkleidet in Wald und Flur herumzukrauchen und Tierlein zu fotografieren. Auch vor einem schönen Landschaftsbild schrecke ich nicht zurück. Wir leben alle nach dem Motto – hast Du einen Vogel musst Du ihn auch füttern. Was habe ich nun vor?

Anreise und Nationalpark

Mein Plan ist, mit dem Auto in den Nordosten Polens bis kurz vor die Grenze Weißrusslands zu fahren und meiner Leidenschaft zu frönen. Von Frankfurt/Oder an der deutsch-polnischen Grenze bis nach Dwor Dobarz, das kleine Hotel mitten im Nationalpark, sind es knapp 700 Kilometer, davon der größte Teil nagelneuer, von der EU gesponserter Autobahn.

Der Biebrza-Nationalpark ist der größte Nationalpark in Polen mit knapp 600 Quadratkilometern. Einzigartig in Europa sind die Sumpf- und Torfgebiete mit der besonders artenreichen Fauna sowie mit einer außergewöhnlich reichen Vogelwelt. Leider sind etliche der dort lebenden Vögel vom Aussterben bedroht. Sie tragen Namen, die ein Normalsterblicher nicht zu seinem aktiven Wortschatz zählt. Oder hast Du schon einmal etwas von einer Doppelschnepfe, einem Kampfläufer oder einem Seggenrohrsänger gehört? Na eben!

Bis kurz vor Warschau ist die Autobahn fast leer, und so kann ich den Tempomat auf 130 km/h einstellen und das Auto laufen lassen. Mir fallen Militärfahrzeuge auf, die in meiner Richtung fahren, aber auch Fahrzeuge auf der Gegenfahrbahn. Keine Ahnung, was diese Vor- und Zurückstrategie bedeutet. Hauptsache ist: Sie sind nicht auf dem Kriegspfad!

Irgendwann sagt mir mein Navigationssklave: runter von der Autobahn und ab in den Busch. Hier hat die EU nichts gesponsert. Ein Sträßchen so breit wie ein Panjewagen, um die Schlaglöcher herum asphaltiert, an den Fahrbahnrändern undurchdringliches Gebüsch, falls ein Auto entgegenkommt, hast Du ein Problem. Links Sumpf und rechts Wald (oder umgekehrt). Sag nie etwas gegen SUV-Fahrzeuge. Die sind (hier) bitter notwendig.

Vierzig Kilometer weiter weicht rechts der Sumpf zurück und links der Wald (oder umgekehrt). Das erste Haus seit der Autobahn ist mein Hotel. Ganz aus Holz gebaut und gemütlich, muss ja auch so sein. Ein Betonmischer wäre wahrscheinlich gar nicht hier angekommen. Im großen Restaurant die Theke, die auch gleichzeitig Rezeption ist. Ich bekomme in dem Haus hinter dem Hotel, auch ganz aus Holz gebaut, ein einfaches Zimmer, Nr. 11, mit Dusche. Auspacken, umziehen und dann raus: die Lage peilen.

Erstes Kennenlernen und Zeitplan

Auf der Terrasse sitzen ein paar Männer in Tarnkleidung, auf dem Tisch dicke Kameras und Kaffeetassen. Kurze Begrüßung, und dann kommt schon die Ansage: „Männer, wir sind Fotografen, und wir duzen uns. Wenn die Kaffeetassen leer sind, fahren wir los, und ich zeige Euch unser Fotorevier. Sehen wir etwas, fotografieren wir, und dann geht es weiter. Gegen 21/22.00 Uhr sind wir zurück, und es gibt Abendessen. Morgen früh um 04.00 Uhr fahren wir wieder los, um Kraniche im Sonnenaufgang zu erwischen und sind um ca. 10.00 Uhr

zum Frühstück hier. Um 15.00 Uhr geht es dann wieder auf die Pirsch. Das ist in etwa auch der zeitliche Ablauf für die nächsten Tage. Alles klar?“ „Alles klar!“

Für die Interessierten unter meinen Leserinnen und Lesern (die anderen können diesen Absatz überspringen): Morgens und abends sind wir gerne draußen, dann ist das Licht sehr weich, was sich natürlich positiv auf die Bilder auswirkt. Außerdem sind unsere vierbeinigen Waldbewohner auf den Läufen.

Nun, in einer Gruppe gibt es so gut wie immer ein Meckermäuschen. Dieser hier rechnet sich aus, dass die Stunden nachts nicht für einen erholsamen Schlaf reichen würden. Wie Männer so sind: „Ich singe dir ein Schlaflied!“ „Schlaf halt etwas schneller“ und ähnliche Vorschläge alle rau, herzlich gemeint, aber letztendlich wirkungslos. Lange Rede – kurzer Sinn: Am Mittwoch fährt er schon wieder nach Hause. Hoffentlich ist er nicht eingeschlafen auf der Autobahn.

Seggenrohrsänger und Bekassine

Wir wollen einen Seggenrohrsänger fotografieren, was nicht leicht ist. Erstens gibt es nur noch ganz wenige und zweitens nur ganz weit draußen im Schilf/Sumpf. An einer Stelle ist ein Steg, extra für Fotografen und Ornithologen, schnurgerade in den Sumpf gelegt. Bepackt mit einer schweren Kamera und Stativ stapfen wir zu der kleinen Plattform am Ende des Steges, mit bloßem Auge von der Straße aus kaum zu erkennen. Kommt dir hier jemand entgegen, ist ein Eiertanz angesagt, um aneinander vorbei zu kommen. Solltest du per Malheur neben den Steg treten, ist dein Tag ziemlich versaut. Und nur zur Klarstellung, bei einer Hilfeleistung heißt es hier: Kamera vor Mann.

Nach circa zwanzig Minuten erreichen wir die kleine Plattform, bauen unsere Stative auf, hängen die Kameras dran und warten.

Endlich, da drüben an einem Schilfrohr sitzt ein kleiner Piepmatz so groß wie ein Sperling. Wie Kanonen schwenken die schweren Objektive alle in eine Richtung. Jeder hat auf schnelle Reihenaufnahme gestellt, und als der Seggenrohrsänger erschreckt das Weite sucht (was hier ja nicht schwer ist), haben wir alle je ca. fünfzig Aufnahmen geschossen. Ich kann froh sein, wenn von mir mal eine mühselige Handyaufnahme gemacht wird, aber dieser kleine Vogel hat ruckzuck ungefähr zweihundertfünfzig Bilder auf seinem Konto. Erstaunlich!

Hier hören wir auch eine Bekassine, ein Vogel, der mich immer an einen Stuka (Sturzkampfbomber) erinnert. Dieser Stuka hatte eine Sirene eingebaut, scherzhaft „Jericho-Trompete“ genannt, die im Sturzflug einen schrillen Ton erzeugte, der für die Bodentruppen psychisch nicht einfach zu verarbeiten war. Das typische „Meckern“ der Bekassine entsteht, wenn sie aus großer Höhe im Sturzflug die äußeren gespreizten Steuerfedern zur Vibration bringt.

Der Biebrza-Nationalpark wird natürlich auch von einer Menge Ornithologen aus ganz Europa besucht. Sie wollen mit ihren starken Spektiven die Vögel beobachten. Wir dagegen wollen sie aus der Nähe fotografieren und locken die Vögel schon mal mit Vogelrufen, verstärkt durch einen kleinen Lautsprecher, heran.

Das ergibt natürlich eine ornithologische Verstimmung. In diesem Falle von einer französischen Gruppe, verstärkt durch zwei Schweden, die uns ihren Unmut verbal mitteilten. Da niemand die jeweilige Landessprache des anderen verstand, ging es auf Englisch weiter, was wir natürlich nicht verstehen wollten. Herrlich! Aber so ein kleiner Vogel ist ja auch nicht dumm und merkt nach kurzer Zeit, dass sich hier nur menschlicher Unmut aufbaut, aber kein Konkurrent rumtreibt und fliegt wieder nach Hause zu Weib und Kindern. Alles halb so schlimm.

Wiedehopf und Kampfläufer

Auf unserem Programm steht natürlich auch der Wiedehopf, wenn er vor allem bei der Landung am Nest seine Federhaube aufrichtet und damit sehr fotogen rüberkommt. Immer wieder fahren wir zu seiner Bruthöhle und beobachten. Kommt der sehr schön anzusehende Vogel alle halbe Stunde zu seinem Nestbau, besucht er nur seine Frau. Kommt er aber alle paar Minuten, bringt er Futter, um die ausgeschlüpften Jungen zu füttern. Dann heißt es: vorsichtig anpirschen und tolle Aufnahmen schießen. Normalerweise liegt der Schlupftermin bis zum 06. Mai. Und wir haben heute schon den 10., unseren letzten Tag. Nachmittags waren wir noch da. NIX! Beim Abendessen um 22.00 Uhr kommt Pawel, ein hilfreicher Geist, mit der Meldung: Die Jungen sind geschlüpft! (auf Polnisch natürlich) Da war es für uns zu spät.

Bekannt ist dieses Sumpfgebiet auch für die Kampfläufer.

Sie brüten in feuchten Taigamooren und der Tundra, überwintern in Afrika. In großen Schwärmen erholen sie sich unterwegs von den Reisestrapazen im Biebrza-Nationalpark. Die Beschreibung lautet: Das Männchen ist deutlich größer als das Weibchen, oft größer und dicker als Rotschenkel, das kleinere Weibchen kaum größer als Alpenstrandläufer, aber Hals und Beine länger, wobei der lange Hals oft eingezogen ist. Gefiederfarbe, Beinfarbe und Größe sind sehr variabel.

Erkennst du nach dieser Beschreibung einen solchen Vogel, so ist das ein Kampfläufer.

So, jetzt muss ich etwas ausholen, aber lies ruhig weiter. Biebrza ist ein riesiges Sumpfgebiet. Es sammelt das ganze Schneeschmelz- und Regenwasser und gibt es im Laufe des Frühjahres/Sommers langsam ab. Bis Anfang Juni ist dieses Gebiet überschwemmt, unterbrochen von vielen kleinen und kleinsten Inselchen. Auf diesen Inselchen drängen sich dann die vielen Vögel zusammen, und findest Du einen Weg durch das Wasser, dort hinzukommen, sind natürlich tolle Aufnahmen zu machen.

Durch den wenigen Niederschlag, speziell Schnee in diesem Winter, ist der Nationalpark dieses Jahr nicht überschwemmt, und die Vögel können sich über das ganze Areal verteilen.

Das macht natürlich das Fotografieren der großen Vogelschwärme ungleich schwieriger. Sehr schade!

Wasserralle und Blaukehlchen

Flexibel schwenken wir um. Zwanzig Meter neben der Straße ist eine riesige Pfütze, umgeben von dichter Vegetation mit einer kleinen Öffnung zur Straße hin. Wir bauen leise, die Wasserralle ist scheu, unsere Stative auf und befestigen die Objektive und Kameras daran. Jetzt noch schnell die notwendigen Einstellungen und dann kein Wort und keine Bewegung. Vorsichtig wird der kleine Vogelstimmenlautsprecher eingeschaltet, und so steht es im Bestimmungsbuch: Die quiekenden und grunzenden Geräusche, die die Rallen erzeugen,

erinnern eher an ein Schwein als an einen Vogel. Da eine Bewegung, ein Vogel steckt den Kopf aus dem Gebüsch.

Aber auch hinter uns Bewegung. Zwei Autos bremsen stark ab, halten, Menschen steigen aus und fragen, was hier los sei. Die Bewegung, der Lärm, die Wasserralle ist längst weg und kommt trotz aller Bemühungen nicht wieder. Ich kann die

Rettungs- und Hilfskräfte auf der Autobahn verstehen, wenn sie auf die Gaffer schimpfen.

Neues Ziel: Wir wollen Blaukehlchen fotografieren. Blaukehlchen sind sehr hübsche Vögel, die in der Regel sehr versteckt leben. Wir finden an einem ruhigen, links und rechts dicht

bewachsenen Weg eine etwas freiere Stelle, an der wir die Autos abstellen. Wir bauen leise … (siehe oben!)

Zu beachten ist, dass das Blaukehlchen seinen Gesang nicht aus einer Hecke, sondern eher von einem höheren Zweig

ertönen lässt. Hier haben wir eine Stelle ausgesucht, an der links und rechts des Weges ein Bäumchen steht, das geradezu auf Blaukehlchen wartet. Der kleine Lautsprecher ist eingeschaltet (Wasserralle aus und Blaukehlchen ein). Ton ab, und da kommt der kleine Piepmatz auch schon von links angeflogen. Toll! Wir schauen durch die Sucher und sehen – nichts. Der Vogel ist über den Weg geflogen und sitzt nun rechts.

Das Umschwenken mehrerer großer Objektive nach rechts hält er nicht aus, und weg ist er. Aber er kommt wieder. Nach mehreren Versuchen brechen wir ab, der Vogel auch, und nur einer von uns, er hat wahrscheinlich einen Richtungswechsel verschlafen, hat eine vernünftige Aufnahme bekommen. Aber so ist sie – die Naturfotografie.

Elch-Begegnung

Es ist schon etwas dämmrig, als wir uns so ganz langsam Richtung Hotel begeben, es ist immerhin noch etwa eine Stunde Fahrt. In dicker Tarnkleidung, es ist schon wieder nahe 0 Grad, die Kamera mit dem 800 mm-Objektiv und dem Dreibein-Stativ zwischen den Beinen, sitze ich angeschnallt im Auto. Links des Weges kilometerweit Sumpf- und Schilfgelände, ab und zu ein lichtes Birkenwäldchen und vorne direkt am Weg eine Gruppe Fichten, in der gerade einige Elche verschwinden. Wir halten, springen mit Kamera und Stativ aus dem Kfz und laufen auf die andere Seite der Fichtengruppe. Das ist der Plan.

Alle, nein, ich nicht. Beine, Kamera und Stativ sind schon aus dem Wagen, aber nun klemmt irgendetwas, und ich komme nicht weiter.

Leise fluchend nehme ich alles wieder nach innen und suche die Störungsstelle. Natürlich, verehrte Leserin, geschätzter Leser, ihr ahnt es längst – ich bin noch angeschnallt!

Endlich habe ich mein Equipment und mich aus dem Auto gehievt. Hinter dem Miniwäldchen stehen meine Fotokameraden hinter ihren Objektiven und warten auf die Elche. Ich bin noch am Auto, da sehe ich eine Bewegung auf dieser/meiner Seite des Wäldchens. Zwei Elche kommen zurück und direkt in meine Richtung.

Ein Tier, eine junge Lady ca. zwei bis drei Jahre alt, ist direkt auf Kollisionskurs und kommt immer näher. Eine ausgewachsene europäische Elchkuh kann durchaus 180 cm Körperhöhe erreichen und bis 400 kg schwer werden. Das sind keine Kuschelkätzchen, sondern richtig große Tiere. Eine Elchkuh mit Kalb oder ein Bulle in der Brunft kann auch einem homo sapiens gefährlich werden. Immer wieder hebe ich den Kopf, um mich zu vergewissern, dass sie noch nicht so nahe ist, wie ich sie durch das Objektiv sehe. Bei ungefähr 20 Metern Abstand wird auch sie etwas unsicher (Gott sei Dank!) und biegt ab.

Nur ich habe eine vernünftige Aufnahme von den Elchen bekommen dank des Sicherheitsgurtes. Die dümmsten Bauern haben die … Aber so ist sie – die Naturfotografie, siehe oben!

Nächtliche Biber-Fotografie

Nein, nein – es ist noch nicht Feierabend. Wir halten an einem kleinen Landgasthof und essen einfach, aber gut polnische Hausmannskost. Dann geht es weiter.

Unser Ziel ist ein schmales Flüsschen ca. 25 Meter breit. Peter Scherbuk hat ein offenes Motorboot organisiert mit Scheinwerfer. Wir wollen nachts Biber fotografieren. Durchaus

anspruchsvoll!

Bitte stelle dir folgende Situation vor: Du bist tief in Polen, wirklich da, wo es am tiefsten ist, kurz vor der weißrussischen Grenze, eine sternenklare Nacht, minus zwei Grad, auf einem schmalen Boot, sehr still sitzend, mit schwerer Kamera, um nachts Biber zu fotografieren. Ein ganz klein bisschen schräg ist das schon!

Dann geht es los, ganz langsam, ganz ruhig eine Probeaufnahme vom Ufer, nochmal an einem Knopf gedreht, im Kameraprogramm etwas geändert, na ja, ich wäre dann soweit! Die Biber aber noch nicht.

Es dauert ein paar Minuten, dann sehen wir die ersten Tiere am Ufer und auch im Wasser. Ich habe sie nicht gezählt, aber auf der ganzen Strecke waren es sicher dreißig Tiere, na ja

vielleicht zwanzig, jedenfalls viele. Ordentliche Brocken sind das, bis 30 Kilogramm und ein Meter lang!

Total durchgefroren kommen wir später zu den Autos zurück und fahren ins Hotel. Mir ist immer noch kalt, auch nach einer Dusche.

Landschaftsfotografie aus der Luft

Als der Wecker um 03.30 Uhr klingelt, friere ich endlich nicht mehr. Ein neuer Tag beginnt, und der ist immer noch oder schon wieder – kalt.

Eine Heißluftballonfahrt steht an. Habe ich noch nie gemacht und bin entsprechend neugierig. Die Auswahl des Startplatzes ist schon wichtig. Hast du den falschen Startplatz, fährst du (ein Ballon fliegt nicht, er fährt!) zum Beispiel in die Nähe einer Stadt. Denn – richtig! – der Ballon ist so gut wie nicht steuerbar. Jetzt wird alles vorbereitet.

Ganz sachte, du merkst es kaum, steigt der Ballon. Es gibt keine Rollgeräusche – wir haben keine Reifen. Es gibt kein Motorengeräusch – wir haben keinen Motor. Es gibt keine Windgeräusche – wir fahren mit dem Wind. Du hörst nichts! Nur wenn der Ballon sinkt, wird der Gasbrenner gezündet. Das ist laut und heiß am Kopf. Also: „Watch your Haupthaar!“

Die erwärmte Luft im Ballon steigt nach oben und nimmt den Ballon mit. Wird die Luft wieder kälter, sinkt der Ballon.

Eigentlich ganz einfach, oder? Angewandte Physik. Toll!

Langsam geht die Sonne auf, und die Erde wird erkennbar. Diese Straße sind wir gefahren, da habe ich den Elch fotografiert. Am Waldrand stehen drei Rehe, und da unten fliegt ein Reiher. Es ist richtig schön von hier oben!

Nach anderthalb Stunden landen wir auf einer Wiese, und es dauert etwas, bis uns das „Bodenpersonal“ gefunden hat. Aussteigen, alles verpacken heißt in erster Linie, das riesige Ballontuch in dem kleinen Anhänger verstauen, und dann geht es nach Hause. Um 08.00 Uhr gibt es Frühstück. Dort oben hat es mir gefallen. Vielleicht denke ich doch noch einmal über einen Fallschirmsprung nach.

Der Einsiedler von Biebrza

Müssen wir Krzysztof kennen? Nein, aber trotzdem ist es ein Erlebnis, ihn kennengelernt zu haben. Im Jahre 1991, als der Nationalpark noch kein Nationalpark war, zog Krzysztof

von seinem Antiquariat in Warschau in dieses kleine Anwesen, das mitten im Nationalpark liegt. In einem Holzhaus mit drei Zimmern lebt er umgeben von antiquarischen Büchern, zahlreichen geschnitzten Holzfiguren, Hirschgeweihen, Teekesseln, Bildern und sehr viel weiterem Krimskrams. Der Fußboden ist so voll, dass jeder Schritt ein Abenteuer ist. Fließendes Wasser und elektrischer Strom ist nicht. Auf seinem Grundstück, völlig offen zum Park, leben außer ihm noch einige Konik-Pferde, Rinder und mehr als zwanzig Hunde.

Dieser Mann geht total in der Natur auf. Es ist bewunderungswürdig, wenn ein Mensch so konsequent sein Leben lebt. Ich bin ja auch gerne und viel draußen in der Natur, aber möchte ich so leben? Nein!

Schlussbemerkung

Es gäbe noch viele kleine Geschichtchen zu erzählen. Etwa der Versuch, junge Waldkäuze zu fotografieren, oder wie wir hin- und her laufen, um den Wendehals mit Jungen zu erwischen, oder wie der polnische Angler an dem kleinen Flüsschen die Vögel vertreibt, oder wie wir anderthalb Stunden mitten in einer Herde Konik-Pferde mit Fohlen fotografieren usw. usw. Aber irgendwann ist das Ende erreicht.

Nun habe ich schon einige solcher Reisen absolviert, und wenn es mir vergönnt ist, noch eine Weile gesund zu leben, soll dies auch nicht meine letzte Fotoreise gewesen sein. Mir macht es immer noch sehr viel Freude. Meine nächste Reise geht nach Belarus, für mich „terra incognita“, zur Hirsch- und Elchbrunft.

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